Sonntag, 17. Juni 2018

Das Rätsel des toten Ehemanns

So langsam entwickelt sich der Sonntag zum perfekten Rezensionstag für mich. Unter der Woche habe ich einfach nicht die Ruhe, einen halbwegs sinnvollen Text zu schreiben. Erneut habe ich einen Thriller für Euch, den ich als Leseexemplar von Lovelybooks bzw. dem Aufbauverlag bekommen habe. Liest sich schnell weg, leider ist er aber genauso schnell wieder vergessen ...
 
Will ist Iris’ große Liebe - nein, falsch, „der liebste Mensch“. Entsprechend schrecklich ist es natürlich, dass Will bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Iris ist am Boden zerstört. Doch halt, vielleicht ist Will ja doch nicht tot, wer sollte ihr sonst diese Nachrichten zukommen lassen? Und warum saß er überhaupt in diesem Flugzeug, wo er doch eigentlich ganz woanders hin wollte? Ist Will überhaupt der, für den er sich ausgegeben hat? Iris macht sich auf die Suche nach Wills Vergangenheit und - welch Überraschung - entdeckt so manche Ungereimtheit, die sie an ihrem „liebsten Menschen“ zweifeln lässt.

Joah, man mag erahnen, dass mich das alles nicht so vom Hocker gehauen hat. Der Schreibstil lässt es zwar zu, das Buch mal eben so wegzulesen, aber das ist für mich - so wie auch in diesem Fall - meist eher ein Zeichen von Oberflächlichkeit. Zwischenzeitlich hatte ich dann komplett das Interesse verloren und das Buch lag eine Woche unberührt auf meinem Nachttisch. Insgesamt ist die Story doch eher vorhersehbar, es werden einige Klischees bedient, die ich allerdings nicht aufzählen kann, denn dazu müsste ich spoilern. Das moralische Dilemma, das sich in Iris’ Person entfaltet, wird schließlich auch noch mit einem ziemlich eindeutigen Fingerzeig aufgelöst. Ende gut, alles gut.

Fazit: Unspektakulär und oberflächlich. Der Schreibstil erlaubt zwar ein flüssiges Lesen, aber dadurch ist es eines dieser Bücher, welches man innerhalb kürzester Zeit wieder vergisst. Von mir gibt es 2,5 Sterne, die ich aber auf 3 aufrunden möchte, weil 2 Sterne dann doch zu schlecht bewertet wären. Immerhin ist das Buch bspw. für einen faulen Nachmittag, an dem man einfach nur den Kopf freibekommen möchte, genau das Richtige. Wer höhere Ansprüche hat, für den ist es nichts.

Hard Facts:
ISBN: 9783746634142
384 Seiten

Bis bald
Frau Schafski

Sonntag, 10. Juni 2018

Der Auftakt für ein ungewöhnliches Ermittlerteam

Ui, ui, im Moment lese ich tatsächlich mehr als ich rezensieren kann ... Es hat sich ein kleiner Rezensionsstau gebildet, ich arbeite daran, ihn aufzulösen ^_^'' Hier gibt's jetzt erst einmal einen Thriller, der vor allem durch sein cooles Ermittlerteam überzeugt.

Der erste Fall für Carl Mørck und Assad und gleichzeitig auch mein erster Jussi Adler-Olsen. Im Laufe des Buchs musste ich allerdings feststellen, dass ich schonmal die Verfilmung im Fernsehen gesehen hatte, ohne dass mir das bewusst war. Das tat dem Lesevergnügen zum Glück keinen Abbruch, auch wenn der Fall nicht mehr ganz so interessant war.

Aber der Fall an sich ist auch nicht das eigentlich reizvolle an diesem Thriller, auch wenn er durchaus ungewöhnlich und zeitweise sehr, sehr schauderhaft ist. (Ich komme überhaupt nicht gut klar mit Szenen, in denen irgendwas mit Zähnen passiert, die muss ich jedes Mal überspringen.) Nein, was hier so reizvoll ist, sind die beiden Ermittler Mørck und Assad. Selten gab es so eine merkwürdige Personenkonstellation, die aber vom Spannungsfeld ihrer unterschiedlichen Charaktere und Kulturen lebt. Denn Assad ist Syrer und muslimischen Glaubens, seine kulturellen Gepflogenheiten bringt er natürlich auch mit ins Polizeidezernat, was zur ein oder anderen lustigen Situation führt. Und obwohl Assad eigentlich nur zum Aufräumen, Putzen und Fahren eingestellt wurde, beweist er Köpfchen und jede Menge Ermittlerinstinkt. Dadurch wird er zum interessanteren Charakter, dessen Vergangenheit ein großes Rätsel bleibt.

Mørck hingegen ist mal wieder der einsame harte Hund, der von seiner Frau getrennt lebt, aber nicht den Arsch in der Hose hat, sich scheiden zu lassen und weiterhin brav für ihre Kapriolen blecht. Als Einzelgänger und unzugänglicher Kollege ist er im Polizeipräsidium ein „schwieriger Fall“ und wird daher mit Freude zum Leiter des Sonderdezernats Q ernannt - außer ihm und Assad gibt es dort nämlich keine Mitarbeiter. Das ist nichts Neues, knurrige Ermittlerfiguren hat das Genre schon zuhauf gesehen. In diesem Fall ist es das Zusammenspiel von Mørck und Assad, das den Thriller wirklich lesenswert macht.

Fazit: Ist etwas hinter meinen Erwartungen zurück geblieben, insgesamt jedoch ein spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen, das vor allem von den beiden Protagonisten profitiert. Dafür gibt’s vier Sterne.

Hard Facts:
Erbarmen
Jussi Adler-Olsen
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 9783423212625 
432 Seiten

Frau Schafski

Samstag, 26. Mai 2018

Wer deine Träume kennt, hat Macht über dich

Nachdem ich vergangenes Wochenende unterwegs war, habe ich nun doch glatt einen kleinen "Rezensionsstau", denn es warten schon drei Bücher darauf, bewertet zu werden. Den Anfang macht der erste Teil der "Silber"-Trilogie von Kerstin Gier, der mich überraschend gut unterhalten hat.

Manche Bücher ziehen mich allein wegen ihres Covers magisch an und so konnte ich dem ersten Band der Silber-Reihe von Kerstin Gier nicht widerstehen. Und das, obwohl ich mich durchaus schwer tue mit Jugendbüchern. Doch dieses Buch hat mich wirklich positiv überrascht. Die Autorin hat einen tollen Stil, witzig, süffisant, kurzweilig, eben mal so zum weglesen. Auch ihre Figuren sind durchweg sympathisch, mit teils skurrilen Eigenheiten, die sie aber nicht nervig, sondern eher liebenswert erscheinen lassen. Darüber hinaus schafft sie es, jenseits der Klischees zu schreiben, und sollte sie doch mal eines aufgreifen, dann wird dies auch mit einem Augenzwinkern als eben solches entlarvt. Das ist ein Humor, mit dem ich gut klar komme, einfach nicht alles zu ernst nehmen.

Die Story an sich ist jetzt nicht unbedingt die Erfindung des Rads, aber irgendwie ist sie doch besonders. Vor allem die kleinen Details, die Kerstin Gier überall einstreut, machen das Lesen zu einer regelrechten Entdeckungsreise. Die bildhafte Sprache tut ihr übriges dazu und lässt Orte und Figuren plastisch vor dem inneren Auge entstehen.

Fazit: Heute mal ganz kurz und bündig: Ich wurde überraschend gut unterhalten und werde auf jeden Fall noch weitere Bücher von Kerstin Gier lesen. Für „Silber“ gibt es wohlverdiente 4 Sterne.
432 Seiten


Frau Schafski

Sonntag, 13. Mai 2018

Die Grundel und der Knallkrebs

Nachdem mich mein Laptop jetzt ganze zwei Wochen geärgert hat, weil ein Update den W-Lan-Adapter gekillt hat, bin ich seit gestern wieder online. Und darum gibt es nun auch den längst überfälligen Post zu "Unter der Mittenachtssonne", ein ruhiger, unaufgeregter Krimi, der die Spannung unterschwellig permanent aufrecht erhält. Alles beginnt mit dem Mord an einem Pfandhausbesitzer, der nie aufgeklärt wird. Über zwei Jahrzehnte hin spinnt sich die Geschichte immer weiter fort. Scheinbar zusammenhanglos passieren immer wieder die unterschiedlichsten Verbrechen, bei denen den Leser das Gefühl nicht los lässt, dass da doch irgendein Zusammenhang bestehen muss ...

Nachdem ich „Böse Absichten“ schon gelesen habe, dachte ich mir schon, dass dies wieder ein ruhiger Krimi werden würde, war jedoch etwas überrascht über den 700-Seiten starken Umfang. Ob über so eine lange Strecke der Krimi nicht zu langatmig werden könnte? Aber nein, ganz im Gegenteil flogen die Seiten nur so dahin und das, obwohl über lange Passagen nur sehr wenige passierte. In dieser Hinsicht hat mich dieses Buch wirklich sehr positiv überrascht. Es muss an der durchaus andersartigen, weil vollkommen unaufgeregten Erzählweise von Keigo Higashino liegen, der es schafft, über Hunderte Seiten die Spannung unterschwellig immer aufrecht zu halten. Nach und nach entwickelt der Leser durch das Beobachten der Figuren ein nagendes Gefühl, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmen kann. Und plötzlich stellt man überrascht fest, dass man derselben Obsession verfallen ist, wie der nur selten auftauchende Kommissar Sasagaki, der sich auch nach 20 Jahren in der Aufklärung des damals verübten Mordes verbissen hat. Ohne es zu merken, wird man zum Co-Ermittler und ist die einzige Person, die den Überblick über all die merkwürdigen Vorfälle hat.

Fazit: Die außergewöhnliche Erzählweise gepaart mit den vielen kleinen Einblicken in die Besonderheiten der japanischen Kultur haben mir wirklich gut gefallen, sodass ich gerne vier Sterne vergebe.

Hard facts
Unter der Mitternachtssonne
Keigo Higashino
Tropen Verlag
ISBN: 9783608503487 
720 Seiten

Frau Schafski

Sonntag, 22. April 2018

Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht?

Ein Cover so blumig wie der gerade ausgebrochenen Frühling, der Inhalt kann allerdings nur mäßig überzeugen. Naja, in der Kategorie Jugendbuch, da darf man vielleicht auch nur bedingt Tiefgang erwarten.

Achtung: Da dies der zweite Teil einer Reihe ist, kann diese Rezi Spoiler hinsichtlich des ersten Teils enthalten.

Lina ist nun seit fast drei Jahren zurück in der Schöpferwelt - der Realität. Doch hier fühlt sie sich längst nicht mehr zu Hause, denn das ist nun Menduria - und Darian. Verzweifelt sehnt sie sich zurück und hofft, einen Weg zu finden. Und tadah: Eines Tages taucht aus dem Nichts Drogonn auf, der sie erneut mitnimmt, denn schließlich ist Lina ganz Wichtig für das Schicksal Mendurias. Dort angekommen hat sie natürlich nur eines im Sinn: Zurück zu Darian zu gelangen. Auch wenn der sich nicht an sie erinnert, immerhin lernt er sie erst in der Zukunft lieben und Lina ist sozusagen in die Vergangenheit zurückgekehrt.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Generell wird fortlaufend alles so schön und ausführlich erklärt, dass auch der unaufmerksame Leser nur ja nichts verpasst. Und so beginnt der altbekannte Tanz des „Kriegen sie sich oder nicht“, wird das alte Märchen der unendlichen Liebe und des Glücklich-bis-an-ihr-Lebensende einmal mehr neu erzählt. Das ist zuweilen sehr ermüdend, insbesondere wenn man die Figuren bei ihren ungeschickten Flirtversuchen beobachtet, innerlich zerrissen von Selbstzweifeln und der Auffassung, dass der andere niemals sie selbst lieben könnte ... Obwohl wir genau das ja bereits aus dem ersten Teil wissen. Nun gut, es wird also gelitten, gekämpft und gerettet, gehofft und geliebt. Einzig die Handlungskonstruktion im Hintergrund ist interessant und lässt erkennen, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. So ist das Schicksal von Lina und Darian eng mit dem Mendurias verbunden. Und auch wenn sie versuchen, dem zu entgehen und es gar selbst zu bestimmen, müssen sie letztlich feststellen, dass sie von fremden Mächten gesteuert genau dahin laufen, wo sie hinsollen.

Fazit: Nette Fortsetzung, die in meinen Augen zu sehr den Fokus auf den Balztanz zwischen Lina und Darian legt. Menduria, also die phantastische Welt an sich, gewinnt dafür in diesem Band neue Facetten hinzu und kann durchaus überzeugen. Es bleibt auch bei der Fortsetzung bei drei Sternen, weil der Anspruch insgesamt einfach zu flach ist.

Hard facts:
Ueberreuter Verlag
ISBN: 9783764170
432 Seiten


Frau Schafski

Sonntag, 15. April 2018

Verpufft in Bedeutungslosigkeit

Ein einsamer, stürmisch, kalter Ort. Ein verlassenes Haus, das von einer Frau im mittleren Alter „gehütet“ wird. Evie ist die Ich-Erzählerin des Romans, der uns mit ins Jahr 1969 nimmt, die Zeit der Blumenkinder und freien Liebe. In diesem Sommer lernt Evie Suzanne kennen, die zusammen mit mehreren anderen Mädchen in eine „Kommune“ lebt und die alle demselben Mann folgen: Russell. Folgen umfasst dabei, ja ihr habt richtig vermutet, auch sexuelle Hörigkeit. Evie verfällt mit Begeisterung dieser neuen Idee des Zusammenlebens, auch wenn sie gerade einmal 14 Jahre alt ist, und gelangt in einen Sog aus Zusammenhalt, Abhängigkeit, Willenlosigkeit.

Nun wäre es an der Zeit, Großes oder Kleines von diesem Buch zu berichten, Charaktere, Inhalt und Spannungsaufbau zu bewerten, das Problem ist nur: Der Roman war für meinen Geschmack insgesamt so farblos, dass er völlig nichtssagend in meinem Gedächtnis verpufft. Schon jetzt, nur zwei Tage nach der Lektüre, habe ich Schwierigkeiten, mich an konkrete Handlungsmuster und Charaktere zu erinnern, geschweige denn eine sinnvolle Einschätzung zusammenzubekommen. Dabei ist der Roman im Großen und Ganzen nicht schlecht, die Lektüre tut nicht weh, aber wie gesagt, es bleibt davon irgendwie nichts übrig. Einzig die Sprache hat mich zu Beginn irritiert, weil sie gespickt ist mit düsteren und zugleich eintönigen Metaphern. Bis mir klar wurde, dass sie Ausdruck der mittlerweile einsamen und fast schon verbitterten Evie sind.

Fazit: Drei Sterne kann man mit etwas gutem Willen vergeben für einen Roman, der am Ende genauso wie die Mädchen verschwindet, ohne großen Eindruck zu hinterlassen.

Hard facts:
Emma Cline
The Girls
Hanser Verlag
ISBN: 9783446252684 
352 Seiten


Frau Schafski

Montag, 9. April 2018

Wer durchhält, entdeckt eine faszinierende Welt


Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten, was die Bewertung angeht. Mehrfach war ich kurz davor aufzugeben und bin nun doch froh, dass ich es nicht getan habe. Zu sehr hat mich letztlich diese fremdartige Welt in den Bann gezogen.

Zwei Faktoren haben mir jedoch die Lektüre sehr erschwert:
  1. Es ist sehr deutlich spürbar, dass die Autorin noch jung und unerfahren ist (der Roman ist ihr Debüt). Sie hat sich hier einen wirklich faszinierenden Kosmos ausgedacht, das Problem ist nur: Er ist unendlich erklärungsbedürftig. Und das gelingt ihr leider überhaupt nicht gut. Ich habe ungelogen Hunderte Seiten gebraucht, bis ich einigermaßen den Durchblick hatte. Davor schwebte die ganze Zeit ein rot blinkendes Fragezeichen über meinem Kopf, weil ich immer wieder den Faden in all den Erklärungen und Begrifflichkeiten verlor. Erst nach etwa der Hälfte des Buches wurde es langsam besser. Aber bis dahin musste ich wirklich eisernes Durchhaltevermögen beweisen.
  2. Die Hauptprotagonistin Paige: Boah, ist mir die Alte zwischenzeitlich auf den Sack gegangen, um es etwas salopper auszudrücken. Über lange, lange Strecken hatte ich den Eindruck, einen pubertierenden, sturen Teenager vor mir zu haben, dem jegliches vernünftiges Denken abhanden gekommen ist. Mehr als einmal wollte ich sie anschreien und ihr Ætherverbot (kleiner Insoderjoke) erteilen. Sperrige Charaktere sind an sich nicht das Problem, aber wenn sie teilweise völlig gegen den eigenen Lebenserhaltungstrieb handeln, bleibt bei mir nur ein unverständiges Kopfschütteln übrig.
Nun mag man sich fragen, warum ich dann doch drei Sterne vergebe und fast sogar versucht war, vier daraus zu machen. Ganz einfach: Irgendwann hat mich diese Welt so fasziniert, so in ihren Bann gezogen, dass ich nicht mehr aufhören konnte und es letztlich auch nicht mehr wollte. Was die Hauptfigur Paige angeht, kann ich nur sagen, dass trotzige Wasser dennoch tief sein können - und sich mit etwas Glück weiterentwickeln ...

Fazit: Das Durchhalten lohnt sich! Denn trotz der vielen Schwächen, die m.E. in der Unerfahrenheit der Autorin liegen, ist das toller Lesestoff.

Hard facts (Taschenbuchausgabe):
Verlag : Berlin Verlag
ISBN: 9783833309328
624 Seiten

Übrigens: Die Reihe soll langfristig auf sieben Bände angelegt sein, bisher sind allerdings erst zwei erschienen.


Frau Schafski