Sonntag, 8. Juli 2018

Grausam und gut

Was ich ja nicht so mag: unwissentlich in eine Reihe reinstolpern. Das ist mir in diesem Fall leider passiert und ich hatte schon über hundert Seiten gelesen, als es mir auffiel. Nun gut, ich habe dennoch weitergelesen und es letztlich auch nicht bereut. Denn Andreas Gruber ist wirklich ein toller Thriller-Autor, der es versteht, eine Handlung nach und nach aufzubauen und von Anfang an die Spannung hoch zu halten. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie es mit den Vorgängerbänden aussieht, aber mit „Todesmärchen“ hat er mich gleich gepackt.

Besonders von der Erzählweise war ich angetan: Sie springt zwischen jeweils unterschiedliche Protagonisten an unterschiedlichen Orten hin und her. Auf der einen Seite die Psychologin Hannah, die in einem Hochsicherheitsgefängnis für psychisch kranke Schwerverbrecher arbeitet und auf der anderen Seite das Ermittlerteam Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, die mit einer wirklich furchtbar grausamen Mordserie zu kämpfen haben. Beide Seiten scheinen völlig unabhängig voneinander zu sein, beide Erzählperspektiven sind auf ihre Weise interessant und bauen ihre eigene Spannungskurve auf, sodass der Leser kaum entscheiden kann, wo er gerade lieber weiterlesen möchte. Das hat genau den richtigen Pageturner-Effekt, der mich das Buch kaum aus der Hand hat legen lassen.

Einziges Manko ist für mich die mal wieder sozial inkompatible, verbitterte und exzentrische Ermittlerfigur Maarten S. Sneijder, die von ihrem Sidekick neutralisiert werden muss. Scheinbar ist das ein anhaltender Trend, der in die Spannungsliteratur Einzug gehalten hat. Davon gibt es für meinen Geschmacke zu viele, das langweilt auf Dauer etwas und man wünscht sich zur Abwechslung fast schon jemand „Normales“.

Fazit: Dennoch ist dieser Thriller dank des hervorragend inszenierten Spannungsaufbaus absolut rasant und fesselnd, sodass er auf jeden Fall gute vier Sterne verdient hat - exzentrischer Ermittler hin oder her.

Hard Facts:
Andreas Gruber
Todesmärchen
Goldmann Verlag
ISBN:9783442483129
480 Seiten

Bis bald
Frau Schafski

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